Ballenchirurgie

"Ballenerkrankung"

Unter diesen Begriff werden verschiedene Krankheitsbilder zusammengefaßt, die sich in der Regel aus mehreren Funktionsstörungen zusammensetzen:

  • Hallux abductus valgus
  • Hallux abductus valgus et limitus
  • Hallux limitus
  • Hallux rigidus

mit

  • Metatarsus primus varus
  • Metatarsus primus elevatus
  • Metatarsus adductus
  • Instabilität im Tarso-Metatarsale-I-Gelenk

mit

  • Hohlfuß
  • Plattfuß
  • Knickfuß (supinierend oder pronierend)

mit

  • Valgus Rückfuß
  • Varusrückfuß

Erscheinungsbild:

Schwellung am Grundgelenk der Großzehe, in der Regel schmerzhaft und insbesondere Druckschmerz im Schuh. Bisweilen mit Einschränkung der Großzehebeweglichkeit.

Ursachen:

Knochenanbau am Mittelfußknochen 1 mit Ausbildung eines Schleimbeutels. Zu 85% angeborene Funktionsstörung im Mittelfuß, zusammen mit einem Ungleichgewicht der Streck- und Beugemuskulatur am Unterschenkel, mit Fehlstellung Rückfuß.

  • begünstigend: enges, spitzes Schuhwerk, Stöckelschuhe, harte Böden.
  • neurologische Erkrankungen: erworbene Muskellähmungen nach Verletzungen, Hirnschlag. Muskelerkrankungen

Konservative Therapie:

  • Ringpolster
  • Ausbeulen des Schuhes durch den Schuhmacher
  • Einlagenversorgung
  • Weichpolsterung
  • Tragen weiter fußgerechter Schuhe
  • Semiorthopädische Schuhe
  • Einlagenschuhe
  • Übungen zur Kräftigung der Fuß/Unterschenkelmuskulatur
  • Sensomotorische Einlegesohlen zur sensiblen Stimulation und damit Besserung der Motorik
  • Spiraldynamischer Therapie

Operative Therapie:

Korrektur der Fehlstellung und fehlfunktionierenden Biomechanik, insbesondere durch Stabilisierung des 1.Fußstrahles


1. OP nach Keller Brandes:

Gelenkzerstörender Eingriff, mit Entfernung 1/3-2/3 des Grundgliedes der Großzehe. Dieses Verfahren ist nur noch bei sehr alten Patienten anzuwenden, da es die Biomechanik außer Acht läßt.

2. OP nach Hueter-Mayo:

Gelenkzerstörende Operation durch Entfernen des Mittelfußkopfes 1.
für dieses Verfahren gibt es keine Indikation. Seltene Ausnahme stellen schwerst zerstörte Grundgelenke im Rahmen einer chronischen Polyarthritis, da hier ebenfalls die Biomechanik nicht beachtet wird. Gerade beim Rheumatiker die Stabilisierung des 1.Strahles wichtigstes Ziel der Behndlung ist.

3. OP nach Mc Bride:

Weichteileingriff zur Korrektur der Biomechanik, mit abtragen der Pseudoexostose, bei milder Deformität.

Arthroplastik MIP 1:
hierbei wird das Großzehengrundgelenk fast zirculär dargestellt, eröffnet und der Mittelfußkopf 1 präpariert. Ggf. erfolgt eine Synovektomie.

"Laterales release":
Der Muskel, der den Großzeh heranzieht wird von der Basis der Großzehe losgelöst und ggf. später an der Kapsel fixiert.

Die Sesambeine werden zu beiden Seiten gelöst. Beseitigen der Luxation durch Reposition derselben. Dann erfolgt die Kapselplastik dorsal und distal und der Gelenkverschluß

4. moderne, funktionswiederherstellende Verfahren:

Bei diesen Verfahren werden zusätzlich zum Mc Bride extrakapsuläre Mittelfußosteotomien durchgeführt, die den Winkel zwischen Mittelfußknochen 1 und 2 (=Intermetatarsalewinkel oder IMW) reduzieren und je nach Bedarf den Mittelfußkopf 1 nach plantar versetzen, bzw. ihn verlängern oder verkürzen.

a.) Umstellungosteotomie nach Austin:
(synonym Chevron Operation) -> Osteotomie in Form eines umgekehrten V, auch asymmetrisch (längerer dorsaler Schenkel) möglich mit K-Draht, Schraube oder resorbierbarem Stift fixiert. Mit Verkürzung des Metatarsale =Youngswick

b.) Umstellungsosteotomie nach Scarf:
Z-Förmige Durchtrennung des Mittelfußknochen 1

c.) Basisosteotomie:
-offene: Aufklappende Osteotomie mit Einbolzung der "Pseudoexostose"
-geschlossene: -> Hier wird die Osteotomie derart gewählt, daß der Mittelfußknochen 1 dem Mittelfußknochen 2 angenähert und nach plantar geneigt wird.

d.) Lapidus Operation:
Arthrodese des 1. Tarso metatarsale Gelenk, die der Stabilisierung des Fußes dient und an Bedeutung sehr zugenommen hat. Heute sieht man in der Instabilität diese Gelenkes die HAUPTURSACHE für die ENTWICKLUNG  der BALLENERKRANKUNG schlechthin.

e.) Cheilektomie:
bei schmerzhafter Einschränkung der Großzehenbeweglichkeit nach oben, wird das dorsale Drittel des Mittelfußkopfes entfernt.

Alle Eingriffe werden, bis auf die Lapidusoperation in Fußblockanaesthesie (Betäubung der 5 Fußnerven) durchgeführt.

Die Lapidusoperation ist KEINE ambulant durchzuführende Operation, sondern ein Eingriff der regelhaft im Krankenhaus durchgeführt wird.

Postoperative Maßnahmen:

Bei allen vorgenannten operativen Verfahren ist eine Belastung des Fußes in einem Therapeischuh nötig.

Bisweilen werden Krücken rezeptiert, je nach Schmerzempfindlichkeit  des Patienten.

Das Nahtmaterial wird in der Regel nach 10 Tagen entfernt, Röntgenkontrollen sind direkt nach der Operation, 10, 21 und 42 Tage, sowie 6 Monate nach notwendig. Arbeitsunfähigkeitszeiten betragen zwischen 1 und 6 Wochen. Thromboseprophylaxe ist je nach Aktivität des Patienten  oder Vorerkrankungen für minimum 10 und maximal 42 Tage erforderlicherforderlich.